Günther Jauch trinkt am liebsten Krombacher und verdient sich neben seiner Moderatoren-Gage bei der Süddeutschen Klassenlotterie noch ein bisschen was dazu. Heidi Klum isst am liebsten bei McDonalds, für zwischendurch gibt’s Katjes Yoghurt Gums, für’s Runterspülen Coca Cola. Barbara Schöneberger steht auf Pellkartoffelsalat von Homann. Und gegen den strengen Diätplan im Hochleistungssport sündigt die Fußballnationalmannschaft am liebsten mit Nutella (alle), Coca Cola (Manuel Neuer) und Chips von Funny Frisch (Bastian Schweinsteiger).

In den Werbespots tummeln sich Deutschlands Topverdiener: Heidi Klum verdient Schätzungen zufolge dieses Jahr ca. 17 Mio. Euro und der Fußballer Schweinsteiger mindestens 14 Mio.. Die millionenschweren Einnahmen aus Werbeverträgen sind also nur ein zusätzliches Taschengeld, der Notgroschen für harte Zeiten. Mehr als einen Drehtag muss ein Promi üblicherweise nicht investieren, also: Gelegenheit macht Multi-Millionäre. Aber das ist natürlich reine Spekulation, ich bin in dieser sozialen Liga nicht zu Hause, ich weiß ja kaum, wie viele Nullen so eine Million hat.

Aber aufgepasst, es geht hier nicht nur um den schnöden Mammon. So erfahren wir beispielsweise von Günther Jauch, er habe „von Beginn an sämtliche Einnahmen aus Werbeverträgen wohltätigen Zwecken zur Verfügung gestellt”. Wenn es also nicht nur um Geld geht, worum dann? – Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der beliebteste Fußballpromi in diesem Land? Bastian Schweinsteiger zum Beispiel kommt gut rüber, das sichert ihm Werbeverträge über ca. 3 Millionen. „Ätschibätsch“, könnte dazu Thomas Müller kontern, „ich biete 4 Millionen!“. Gut, da sind die Verhältnisse mal geklärt.

Natürlich, das hat ja was, so ein landesweit ausgestrahlter Werbespots, in dem die Promis witzig und sexy rüberkommen. Der Werbespot mit Manuel Neuer für Coca Cola Zero ist witzig, keine Frage. Aber können sich unsere Stars und Prominente nicht mal für zwei Minuten mit der Frage beschäftigen, was sie das eigentlich verkaufen? Muss unsere Prominenz von Günther Jauch (Krombacher), Franz Beckenbauer (Erdinger) bis Naddel (Henninger) wirklich öffentlichkeitswirksam den Bierkonsum sanktionieren? Brauchen wir Karin Tietze-Ludwig (Faber Lotto) oder Günther Jauch (SKL) als nationale Botschafter des Glückspiels? Und in einer von Fettleibigkeit zunehmend geplagten Gesellschaft muss man sich außerdem die Frage stellen, wieso ausgerechnet Sport-Promis Image-Kampagnen für Produkte wie Coca Cola oder Funny Frisch machen müssen.

Allzu viel Unüberlegtheit kann auch nach hinten losgehen. Bestes Beispiel: Der Schauspieler Manfred Krug, der zum Börsengang der T-Aktie die Aktie empfohlen hatte. Diese sollte sich bald als höchst unsicheres Investment erweisen. Manfred Krug bezeichnete den Werbespot später als größten beruflichen Fehler: „Ich entschuldige mich bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind.“. Ähnlich reuevoll reagierten übrigens auch Günther Jauch oder Johannes B. Kerner, die öffentlich schworen, nie wieder Werbung machen zu wollen.

Liebe Prominente, verdient so viel Geld wie ihr wollt. Warum auch nicht. Aber ihr habt das Privileg, dass Euch Millionen von Fans zuhören. Bitte überlegt Euch eine vernünftige Botschaft. Esst Homann Pellkartoffelsalat und trinkt Coca Cola ist aber eine Scheiß-Botschaft. Das muss besser werden.