Man kann inzwischen seine Lieblingsmusik auf High-End HIFI Lautsprechern im Auto hören. Toll. Ich höre trotzdem meine Lieblingsmusik am liebsten zuhause auf dem Sofa. Da kann man ein Gitarrensolo mit geschlossenen Augen genießen, ohne dass die fahrende HIFI-Anlage in der nächsten Kurve zum Schadensfall für die Vollkasko wird.

Und in wenigen Jahren fährt das Auto sogar von selbst. Endlich! Dann kann der Fahrer mal zu Hause bleiben.

Ungeachtet meiner altmodischen Vorlieben bleibt der Trend: Das Auto mutiert zum fahrenden Wohnzimmer, Arbeitsplatz und Konzerthalle in Einem. Schon heute steckt im Auto mehr Rechenleistung als in Apollo 11, mit der Louis Armstrong zum Mond geflogen ist. Und in wenigen Jahren fährt das Auto sogar von selbst. Endlich! Dann kann der Fahrer mal zu Hause bleiben. Über alle Faszination über das Automobil sollten wir ja nicht vergessen: Es bleibt Mittel zum Zweck. Wir wollen von A nach B, zum Beispiel vom zu Hause ins Büro. Schön, wenn uns auf der Fahrt die Außentemperatur angezeigt wird und das Navigationssystem bei Stau einen Schleichweg verrät. Aber noch schöner eigentlich, wenn wir gar nicht fahren müssten. Denn zur Arbeit hin und zurück, das dauert weltweit im Schnitt 80 Minuten  – und zwar täglich! So viele Lieblingssongs habe ich gar nicht.

Heute können wir mit  einem Mausklick per Videokonferenz Menschen aller fünf Kontinente zusammenschalten, von den entlegensten Orten dieser Welt greifen wir auf Daten in der Cloud zu, jeder ist 24/365 per Email oder WhatsApp erreichbar. Jeden Tag ins Büro, im 21sten Jahrhundert? Das war schon beim meinem Ur-Opa so (nur ohne HIFI-Anlage), und eigentlich finde ich das noch altmodischer als Musikhören aus dem Sofa. Wirtschaftshistorisch gesehen setzte sich die Mode mit den Fabriken vor allem während der Industrialisierung im 18. Jahrhundert durch. Die Energieversorgung mit Dampfmaschinen war im höchsten Grad zentralisiert, folglich mussten auch die Produktionsprozesse zentralisiert werden, heißt: Alle Arbeiter unter ein Dach.

Statt der Dampfmaschine gibt’s heute Steckdosen. Und die Regeln der Produktion haben sich verändert: Es gibt 3D-Printer und minutengenau getaktete Supply-Chains, bei einem Auto wie  dem Smart ForTwo hat Daimler noch eine Wertschöpfungstiefe von 10%. Die Autoteile kommen aus China, Südamerika oder Südkorea. Mehr kann man Produktionsprozesse nicht dezentralisieren. Aber die Angestellten sitzen immer noch unter einem Dach. Ich verstehe ja, wenn ein Friseur nicht von zu Hause arbeiten kann; auch beim Maurer sehe ich wenig Potential für Home Office. Aber warum muss der Buchhalter jeden Morgen noch in die Firma? Die eingescannten Rechnungen kann er genauso gut von Timbuktu aus buchen oder aus dem brasilianischen Urwald. Das Arbeitsleben im 21ten Jahrhundert spielt sich im Wesentlichen vor dem Rechner ab, ist damit in einer vernetzten Welt folglich ortsunabhängig.

Das virtuelle Unternehmen wird eine Revolution. In vielerlei Hinsicht. In vielen Firmen wird heute Arbeitsleistung an der Arbeitszeit gemessen: Müller kommt morgens um 6.00, Feierabend gegen 20.00, da gibt‘s einen ordentlichen Nachschlag bei der nächsten Gehaltsrunde. Ob der schläft oder schuftet, das weiß die Stechuhr nicht so genau. Bei Home Office wird die Präsenzzeit als Maßstab entfallen, stattdessen gibt’s Aufgabenpakete und Kernzeiten für die Erreichbarkeit. Die Schläfer mit den ehemals fetten Arbeitszeitkonten werden so ganz schnell enttarnt. Vielleicht gibt’s bald Office Sharing in der Nachbarschaft, wo Mitarbeiter eines virtuellen Unternehmens einen Schreibtisch und eine Kaffeemaschine mieten. Statt Firmenwagen gibt’s einen Zuschuss für die Büroeinrichtung zu Hause. Unternehmen werden sich Gedanken  machen müssen über Schutz von geistigem Eigentum und Mitarbeiterbindung. Aber wir waren schon auf dem Mond und bald kommt das erste selbstfahrende Auto auf den Markt, da werden wir das auch noch hinkriegen!