Vorweg: Dies sind die Ideen eines Freundes, der mich darum gebeten hat, dies anonym zu veröffentlichen. Es seien sehr progressive Ideen und er wisse nicht, ob die Welt schon bereit sei dafür. Er wolle nicht, dass in der aufgeheizten Debatte um Flüchtlinge sein Haus angezündet werde. Ich hätte ja kein Haus und wäre gerade im Ausland, also solle ich das aufschreiben. Tja, dann.

Wir bräuchten eine schärfere Asylpolitik. Schärfer heißt: Wir brauchen eine Asylpolitik, die sich als scharfes Schwert im Kampf gegen Diktatoren und blutrünstige Bürgerkriegsparteien erweist. Nach dem Motto „Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“ wird in einer Diktatur die totale Evakuation eingeleitet. Denn wenn keine Untertanen mehr da sind, wird die Diktatur faktisch abgeschafft. Sobald eine unterdrückte Bevölkerung glaubhaft die Exit-Option wählen kann, werden Diktatoren sehr sehr viel netter. Das klingt nicht machbar? Gehen wir das einmal am Beispiel Syrien durch:

Erster Schritt: Eine Hotline für Beschwerden, bei Amnesty International zum Beispiel, kostenlos natürlich. Auf Vorschlag dieser Organisation beschließt die UNO in einer Sonderkommission die vorübergehende Entvölkerung des Kriegsgebietes Syrien. 22 Millionen Menschen müssen umgesiedelt werden. Geht das? Nun, die Israelische Armee etwa traut sich zu, im Krisenfall innerhalb von 24 Stunden eine Millionen Libanesen zu evakuieren. Über die US Armee lassen sich derartige Zahlen nicht recherchieren, aber deren Truppenstärke ist mit 1,6 Millionen Soldaten etwa 10 Mal höher wie die von Israel, China hat gar 2,3 Millionen Soldaten. Die können das. So weit, so gut. Und wo geht die Reise dann hin für 22 Millionen Syrer?

Wir brauchen internationale Enklaven, und zwar Infrastrukturen, die auf Selbstversorgung ausgelegt sind. Denn es kommen ja Ärzte, Bauern undsoweiter. Ein syrischer Bauer zieht also nicht in ein Flüchtlingsheim (wo er sich langweilt), sondern in einen Bauernhof. Ein Arzt nimmt seinen Platz ein in einem Krankenhaus. Warum nicht einige Geisterstädte Chinas in solche Enklaven verwandeln? Medienberichten zufolge gab es bereits ein Angebot Chinas an Japan, im Krisenfall zehn Millionen Japaner in ebendiese Geisterstädte umzusiedeln (allerdings vor dem Streit um die Senkaku-Inselgruppe). Allein die chinesische Geisterstadt Ordos ist für 1,5 Millionen Einwohner ausgelegt. Aber auch in anderen Ländern brauchen wir natürlich solche Infrastruktur, finanziert durch Sachspenden, eine Sondersteuer für die Waffenindustrie und Stiftungen, die sich Menschenrechte und Demokratie auf die Fahnen geschrieben haben. Warum nicht: Jedes UNO-Mitglied muss 2% seines Staatsgebietes für solche internationalen Enklaven zur Verfügung stellen.

In diesen Enklaven gilt das Prinzip der Selbstverwaltung, dort können demokratische Prozesse eingeübt werden. Hier kann auch der Grundstein für den wirtschaftlichen Austausch zwischen Syrern und Nachbarn der internationalen Enklave gelegt werden. Es ist auch klar, dass in einer solchen Enklave pragmatische Vorschriften gelten, die den wirtschaftlichen Verhältnissen gerecht werden. Hilfsorganisation wiederum können ungestört Ausbildungsmaßnahmen anbieten und sonstiges KnowHow vermitteln, das für den Wiederaufbau des eigenen Landes erforderlich ist. Die Finanzierung solcher Maßnahmen kann dabei durchaus an das Prinzip von Ausbildungskrediten angelehnt sein, das ist wie BaFöG: Sobald diese Länder nach einem Wiederaufbau in eine Wachstumsphase eintreten, werden die Investitionen an die internationale Gemeinschaft oder den IWF als Kreditgeber zurückgezahlt.

Bevor diese Idee Realität werden kann, gibt es natürlich noch ein paar Herausforderungen. Als ich kürzlich Xi Jinping bei einer Tasse Tee die Idee erläutert hatte, war er skeptisch. Hier ist noch Überzeugungsarbeit nötig. Und ja, die Idee erscheint auf den ersten Blick etwas verrückt. Auf den zweiten Blick auch noch, aber nach dem dritten Bier macht das alles Sinn.