Mit 15 hatte ich eine Brieffreundin (Conny), die hatte den Film Dirty Dancing 73 Mal angesehen. Das sind umgerechnet fünf Tage am Stück ohne Schlafen! Das war für mich unvorstellbar – unvorstellbar langweilig. Andererseits konnte ich mir 73 Mal Küssen sehr gut vorstellen, das war gar nicht langweilig.

Wie ich inzwischen festgestellt habe, gibt es ziemlich viele Connys, zum Beispiel die Verfasserin dieses Blogbeitrags: Letztes Jahr hatte ich die Nutella-Phase, da habe ich 2 Monate jeden Morgen Nutella auf mein Brot geschmiert. Ohne Ausnahme. Dann bin ich in die Honig-Phase gestartet, also jeden Tag immer nur Honig aufs Brot. Jetzt ist gerade die Marmelade Phase dran. Ich selbst ertappe mich inzwischen auch immer häufiger als Wiederholungstäter: Beim Essen (Aprikosenmarmelade), beim Anziehen (Lieblingshose), bei Musik (Paul Kalkbrenner). Das Beste dabei: Ich freue mich jeden Morgen aufs Neue auf die Aprikosenmarmelade.

Für meine Frau ist das toll: Sie muss immer nur für ausreichenden Vorrat an Aprikosenmarmelade sorgen (dafür bin ich aber in anderen Punkten nicht ganz einfach). Praktisch. Ganz wie aus dem Lebensratgeber „Simplify your life“. Da hat sich zum Beispiel eine gewisse Matilda Kahls 14 Garnituren an gleichen Blusen und Hosen gekauft, geht seit Jahren mit dem gleichen Outfit zur Arbeit. Ironischerweise ist Frau Kahls Kreativdirektorin einer großen Werbeagentur. Und Präsident Obama trägt immer Anzüge in Blau und Dunkelgrau, um die Zahl seiner Alltags-Entscheidungen zu reduzieren. Er brauche seine Zeit für wichtigere Entscheidungen, sagt er. Verstehe ich. Beim Aprikosenmarmeladenfrühstück treffe ich auch immer sehr wichtige Entscheidungen.

Aber das Beste ist doch: Das sind heilige Rituale. Der Deutsche trinkt morgens seinen Kaffee, der Engländer nachmittags seinen Tee und der Franzose abends seinen Rotwein. Da steht die Welt für einen Augenblick still. Das gibt dem Leben Struktur. Vielleicht ist das unsere trotzige Antwort auf die permanente Veränderung um uns herum. Im Supermarktregal mit 400 Marmeladensorten nehmen wir immer die eine. Während die Modeapostel jede Woche einen neuen Trend verkünden, tragen wir die immergleiche Lieblingshose. Und während im Kino „Fluch der Karibik Teil 34“ läuft, schauen wir zum 128ten Mal Dirty Dancing an.

Schlussgedanke: Vielleicht ist das ja der Beweis, dass der Mensch doch die Fähigkeit zur Monogamie hat. Aber für eine solche Schlussfolgerung ist es noch zu früh. Dazu melde ich mich nochmal.

P.S: Die Aprikosenmarmelade von Darbo ist meiner Meinung nach die Beste.