Diese Kolumne ist eine Hommage an die Journalisten von The Economist sowie deren bisweilen feinen Sinn für Humor. Bei nachfolgendem Text handelt es sich um eine freie Übersetzung des Artikels “Bad Robots“ aus der Asien-Ausgabe zum 10. September 2016.

Im Jahr 1927 installierte ein Industrieller namens Isidor Schlesinger Johannesburg die erste Ampel in Johannesburg. Die technische Attraktion lockte Scharen von Zuschauern an, aber der Hype war von kurzer Dauer: Schon bald wurde die Ampelanlage von einem orientierungslosen Autofahrer niedergemäht. Das waren die Anfänge. Etwa 90 Jahre später hat sich eigentlich nicht viel geändert: Pro Monat werden in Johannesburg immerhin 81 Ampelanlagen von außer Kontrolle geratenen Autos an- oder umgefahren.

Die „robots“ von heute (so werden die Ampelanlagen in Südafrika liebevoll genannt) sind also noch immer eine bedrohte Spezies. Auch in anderer Hinsicht fehlt ihnen Robustheit. Aufgrund veralteter Technologie fallen sie bereits bei einem Sommergewitter regelmäßig aus. Bei Stromausfall sowieso. Der Verkehrsfunk warnt darum Autofahrer laufend vor Kreuzungen mit anarchistischen Verhältnissen; dort müssen sich Verkehrsteilnehmer dann auf Ausweichmanöver auf einer Breite von acht Fahrbahnen einstellen.

Mögen dies bereits genügend Gründe sein für schlaflose Nächte in der Straßenverkehrsbehörde, so ist noch nicht einmal das größte Problem benannt, nämlich Rohstoffräuber. In Südafrika teilen Ampelanlagen das gleiche Schicksal wie Stromleitungen oder Kanaldeckel: Es wird geklaut und zum Schrottwert verkauft. Besonders wertvoll: Der Kupferdraht. Gleiches Schicksal für die Notstrombatterien. In manchen Fällen wird die gesamte Ampelanlage umgesägt. Die Schäden beliefen sich in den letzten drei Jahren auf 900.000 US-Dollar.

Als Maßnahme gegen Rohstoffdiebe wurden inzwischen einige Metallteile durch Nylon und Kunststoff ersetzt, in den Kabeln wird weniger Kupferdraht verwendet. Zudem wurden die 70 am häufigsten mutwillig zerstörten Ampeln mit Überwachungskameras und Schwingungssensoren ausgestattet, so dass die Behörde Fällungsarbeiten von Rohstoffdieben erkennen kann. Aber auch diese Überwachungstechnik hat ihren Wert und lockt Rohstoffdiebe. Aus Fernüberwachungssystemen wurde beispielsweise die SIM-Karte entfernt, womit die Systeme mit der Leitstelle kommunizieren. Und dann wurde telefoniert. Die Folge waren riesige Telefonrechnungen für die Behörde.

Inzwischen ergreift die Stadt drastische Maßnahmen. Im Juni diesen Jahres trat ein Gesetz in Kraft, das Diebstahl öffentlicher Infrastruktur zu einem Schwerverbrechen macht. Richter können Gefängnisstrafen verhängen, die genauso lang sind wie bei Mord. Mord an der Ampelanlage.