Kinder ja oder nein? Das ist kaum mehr eine Frage männlicher oder weiblicher Potenz, dafür immer mehr von ethischer Verantwortung. Soll man überhaupt noch Kinder in diese Welt setzen? – beziehungsweise: Welche Welt muten wir unseren Kindern da zu? Und heute eigentlich noch viel drängender: Wie viele Kinder können wir der Welt noch zumuten? Letztere Frage lässt sich im Grunde mit einer simplen Rechnung beantworten: Wie viele Ressourcen stehen jährlich zur Verfügung, und was verbraucht ein Mensch. Das ergibt die Zielsetzung für globale Bevölkerungspolitik (und letztlich auch für eine politische Konsumsteuerung).

Versetzen Sie sich einmal in die Rolle des Chefs der Welt AG: Sie sollen sicherstellen, dass diese politische Zielsetzung effizient umgesetzt wird – und zwar auf globaler Ebene. Sie fragen sich, wer kann sowas, wer hat das schon mal erfolgreich gemacht? Am besten Sie machen eine Ausschreibung, Regierungen und NGO’s können sich bewerben. Mit etwas Weitsicht fassen Sie die geforderte Lösungskompetenz gleich ein bisschen weiter, denn ohne Umsiedlungen wird es nicht gehen: Weil einige Inselstaaten schlicht verschwinden (z.B. Malediven), andere Lebensräume wiederum fallen weg wegen Verwüstung oder Überschwemmung.

Ja, Sie ahnen es: China wäre ganz vorne mit dabei – political correctness hin oder her. Mit der Ein-Kind-Politik hat die Volksrepublik belegt, dass sie bevölkerungspolitisch im ganz großen Maßstab agieren kann: Nach eigener (wenn auch umstrittener) Einschätzung hat diese Politik in drei Dekaden das Wachstum um 400 Millionen Chinesen ausgebremst, das entspricht fast der gesamten Bevölkerung Europas! Und in punkto humaner Logistikkompetenz kann China vorweisen, dass es seit 1949 ca. 20 Millionen Menschen umgesiedelt hat, alleine mehr als zwei Millionen für den Drei-Schluchten-Staudamm. Da wäre die Umsiedlung von 350.000 Inselbewohnern der Malediven eine vergleichsweise einfache Übung.

Also eine Ökodiktatur als Ultima Ratio, China als Troubleshooter für die Erhaltung der ökologischen Lebensgrundlagen. Dafür gibt es bestimmt nicht allzu viele Fans unter uns freiheitlich-liberalen Demokraten im Westen. Denn wer will sich schon von einem chinesischen Technokraten sagen lassen, ob er Kinder kriegen darf oder nicht? Ob die Urlaubsreise nach Thailand genehmigt wird oder nur die Fahrradtour in die Lüneburger Heide? Und ganz heikel im Autoland BRD: Ob Sie auf der Autobahn 180 oder nur 80 fahren dürfen? Keiner. Darum setzen wir auch lieber auf die Grüne Wende, auf „Wachstum light“ ohne Ressourcenverbrauch. Allein, zu dieser Vision endlosen Grünen Wachstums gibt es zahlreiche Skeptiker. Vielleicht brauchen wir also doch noch einen Plan B.

Der Schrecken über die Idee einer Diktatur von technokratischen Erbsenzählern relativiert sich etwas, wenn man sich zum einen in Erinnerung ruft, dass das Grundprinzip der Rationierung in Krisenzeiten (z.B. im Krieg) auch im Westen als probat gesehen wird (Nota Bene: Nur bei Konsumgütern!). Und zum anderen ist ein Weiter-So ethisch gesehen keine Alternative: Kürzlich habe ich über diverse Studien gelesen, denen zufolge allein die Luftverschmutzung jedes Jahr mehr als sechs Millionen Todesopfer fordert. Jaja, ein schlecht gewähltes Beispiel, dem Technologiegläubige sofort die Vision einer Grünen Wende ohne Luftverschmutzung entgegen setzen; aber diese Studie macht für mich dennoch greifbar, dass Ressourcenverbrauch, jede Flugreise, jeder Konsumakt heute eine menschlich-ethische Dimension haben. Punkt. Es ist kurz vor Mitternacht, wenn geneigte Leser ein besseres Beispiel kennen, schicken Sie’s mir bitte zu. Ich schreibe Kolumnen schließlich zum Spaß, nicht eines Doktortitel’s wegen.

Nun ist China in den letzten Dekaden ja nicht gerade als ökologischer Musterknabe aufgefallen. Aber grundsätzlich traue ich denen das zu. China hat ja schon einmal die Menschheit vor dem Untergang bewahrt. Im Film „2012“: Angesichts der Bedrohung einer weltweiten Sintflut wurden unter chinesischer Regie einige Archen in riesenhafter Dimension gebaut. Darauf überlebte schließlich ein kleiner Teil der Menschheit, als die apokalyptische Sintflut über die Welt hereinbrach. Die Tickets für die Riesenschiffe wurden übrigens vorher meistbietend versteigert.