Meine Prognose für den Arbeitsplatz der Zukunft: Der Firmenarzt verabreicht den Mitarbeitern wahlweise eine medizinisch vertretbare Dosis Koks, THC oder Meskalin zur Kreativitätsförderung oder aber ein bisschen Koks, damit man mal zwei Wochen so richtig durcharbeiten kann. In manchen Branchen ist diese Zukunft schon längst da – natürlich nicht offiziell, aber inoffiziell, mindestens aber toleriert: Koks bei Börsenhändlern und Werbedesignern, Modafinil für Kampfjet-Piloten zum Wachhalten – von Musikern ganz zu schweigen. O-Ton Eminem: „Wenn ich Reime schreibe, rauche ich Gras oder nehme Tylenol oder Muskel-Entspanner oder irgendwas, damit die Storys in Rollen kommen. Auf der Bühne nehme ich dann Bacardi, Hennessey oder Esctasy.“

Wir leben im Zeitalter der Innovation, wer da die Nase vorn behalten will, der muss sich was einfallen lassen. Apple hat mit einem Invest von 5 Mrd. US-Dollar gerade die teuerste Firmenzentrale der Welt errichtet. Dort ziehen ca. 12.000 Mitarbeiter ein, macht über 400.000 US-Dollar pro Kopf (=ein großes Einfamilienhaus)! Auch Facebook, Salesforce, Uber nehmen gerade neue Immobilien in Betrieb – alle gestaltet mit einem Ziel: Förderung von Innovationen. Arbeiten am Schreibtisch ist Old School. Stattdessen: Sofaecken, Wasserlounges (sprich: Badewannen), Bibliotheken, Coffee Shops, Parks, Outdoor Lounges, Wohnzimmerecken. Mitarbeiter sollen Anregungen aus einem abwechslungsreichen Arbeitsumfeld erhalten, über Abteilungsgrenzen hinweg kommunizieren und innovieren.

Der Umbau der Arbeitswelt in eine Wohlfühloase ist natürlich auch eine Antwort auf den „War for talent“, besonders verschärft in Deutschland (Stichwort: Demographie). Heute wird niemand mehr „Beliebtester Arbeitgeber“, indem er eine Kaffeemaschine in eine Ecke stellt und zum Geburtstag ein Strauß Blumen nach Hause schickt. Die neue Generation wünscht sich ein Arbeitsambiente wie in „Schöner Wohnen“, einen Job so prickelnd wie „Playboy“, außerdem Selbstbestimmung, maximale Freiheit und ausreichend Freizeit. In einer Studie zur Zukunft der Arbeit heißt es: „Aus Sicht der Angestellten wird Arbeit mehr und mehr zum Konsumerlebnis, sie soll entsprechend so perfekt und so aufregend wie möglich sein.“ Kurz: Der Mitarbeiter der Generation Y ist eine Diva!

Je mehr sich ein Mitarbeiter im Büro zu Hause fühlt, desto geringer das Risiko, dass er tatsächlich nach Hause geht. Das wird umso wichtiger, je verbreiteter Home Office wird. Nach einer Deloitte-Studie arbeiten bereits 28% der Schweizer im Home-Office, Tendenz steigend. Der jüngste Ausstieg aus der Home-Office Philosophie durch IBM und Yahoo signalisiert hier keineswegs eine Trendwende, zeigt eher den Konflikt der Unternehmen auf zwischen dem Wunsch nach Flexibilität der Mitarbeiter (pro Home Office) und der Optimierung Innovations-fördernder Arbeitsbedingungen (contra Home Office). Nota Bene: Es gibt auch eine Reihe von Belegen dafür, dass zu viel Gemeinsamkeit, etwa im Großraumbüro, vom tieferen Nachdenken abhält.

Klar ist: Der Anteil der ortsgebundenen, einfachen Tätigkeiten (Kassierer, Paketbote, Schrauber) geht tendenziell zurück; demgegenüber stiegt der Anteil der qualifizierten Arbeiten, die flexibel erledigt werden können. Ein Mix aus Großraumbüro, Home Office und Co-Working Space (Bürogemeinschaft mit Arbeitsplätzen auf Stundenbasis) wird sich durchsetzen. Klar ist, dass diese Flexibilität auch Herausforderungen mit sich bringt: Denn wer ganz selbstbestimmt, flexibel überall, disziplinübergreifend und auch zwischendurch arbeitet, braucht eine Menge Disziplin, um seine Aufgaben zu bewältigen.

Wenn Sie übrigens wissen wollen, wie der Innovationsprozess für meine Kolumnen läuft: Ein White Russian für das Intro, dann nehme ich Scotch oder Bacardi, damit die Storys ins Rollen kommen. Die Punch Line am Ende, das übernimmt dann in der Regel meine Frau, ich bin dann schon ziemlich erschöpft vom Schreiben und manchmal auch schon eingeschlafen – man darf so einen kreativen Prozess nicht unterschätzen.