Wenn ich schlecht drauf bin, frage ich einen Inder, was er von Deutschen denkt: „hard-working“, „knowledgeable“, „sincere people“, „good engineers“. Da geht’s mir gleich besser. Ja, Deutsche haben eine Menge Fans in Indien – und nicht nur da, denn Deutschland wurde unlängst in einer BBC Umfrage zum weltweit beliebtesten Land gewählt, und zwar zum 5ten Mal in Folge.

Das fühlt sich ungewohnt an. Aus dem Geschichtsunterricht bin ich als Schüler mit einer schwer verdaulichen Scham für meine Nation herausgekommen. Da wird man sehr kleinlaut. Es kommt hinzu, dass ich für Urlaub, Studium, Praktikum oft in Frankreich gewesen bin: Da ist Euphorie über den deutschen Akzent auch selten. Und dann Indien, hier werden wir praktisch für die Erfinder des Schlaraffenlandes gehalten.

Ich kenne hier ein größeres Unternehmen aus der Baubranche, das Lieferanten mit deutschem Management grundsätzlich den Vorzug gibt. Denn das Image der Deutschen ist: Wir liefern pünktlich und wir sind verlässlich. Und vertrauenswürdig sind wir, das vor allem. Und darauf kommt es am Ende an beim Geschäftemachen, so wird man Exportweltmeister. Unser Image wird nur leicht getrübt davon, dass uns auch eine Neigung zur Überreglementierung nachgesagt wird, dazu eine gewisse Risikoscheu (vgl. dazu auch eine aktuelle GIZ-Studie). Wer sich in Indien umsieht, kann das leicht bestätigen: US-Unternehmer denken und investieren größer, deutsche Unternehmer kommen oft mit der antrainierten kaufmännischen Vorsicht, schlimmstenfalls mit Kleinkrämermentalität. Ich glaube, ich bin als Unternehmer auch nicht anders. Aber es funktioniert.

Unsere Küche gilt in Indien als fad. Der Kult-Kolumnist Harald Martenstein hat kürzlich das Butterbrot zur kulinarischen Spezialität der Deutschen erklärt. Damit ist viel gesagt. Klar, die Schweinshaxe hat in einem überwiegend vegetarischen Land wie Indien wenig Potential zum Exportschlager, aber auch anderswo boomt unsere gutbürgerliche Küche neben italienischen Pizzerien oder chinesischen Schnellrestaurants nicht gerade. ABER! Wir haben das Oktoberfest erfunden und die Welt liebt es! Im Oktober gibt’s in Bangalore und weltweit so viele Oktoberfeste, da kann man mit Karl V. sagen: Im weltumspannenden Partygürtel der Oktoberfeste geht die Sonne nie unter.

Ach ja, im Zwischenmenschlichen gibt es noch das Stereotyp vom etwas steifen, humorlosen Deutschen. Aber hier zeichnet sich eine Trendwende ab, denn nach der GIZ-Studie wird den Deutschen inzwischen ein subtiler Humor zugeschrieben. Und statt stocksteif kommen wir inzwischen etwas lockerer rüber. Wenn die GIZ-Erhebung nicht gerade zu später Stunde auf einem der Oktoberfest-Ableger gemacht wurde, dann stimmt das auch und dann ist das eine tolle Nachricht.

So ein gutes Image ist schön, nicht zuletzt für Unternehmer. Natürlich ist es auch eine Verpflichtung, nämlich zu mustergültigem Verhalten. Aber das liegt uns ja im Blut, wir sind ja wirklich so. Ich zum Beispiel: Ein bisschen steif, pünktlich wie eine Atomuhr, und vor dem ersten Bier kann man sich hundertprozentig auf mich verlassen. Das Ausland fasst die Verpflichtung allerdings noch weiter, denn es wünscht sich mehr aktive Gestaltung auf der Weltbühne durch Deutschland, ja, ein „Gegengewicht zum Hegemon USA“ sollen wir bilden. Ich finde auch, dass wir uns durchaus mehr einbringen sollten. Zum Beispiel beim globalen Umweltschutz, da hatte ich auch schon mal eine Idee: Das deutsche Umweltbewusstsein