Computer können flirten. Gut sogar. Das wissen wir, seit die Seitensprungagentur Madison Ashley gehackt wurde: Konversationsroboter statt echte Frauen. Pech für die Romantiker, die sich in ihren fembot verliebt haben. Oder doch nicht? … Wenn man gegen einen Schachcomputer gewonnen hat, fühlt sich das toll an – selbst wenn da niemand ist. Und: Der Satz „Ich finde Dich toll“ fühlt sich auch toll an, egal von wem das kommt. Wir Menschen können das: Eine Beziehung aufbauen zu Dingen. Kinder zu Teddybären, Männer zu Autos, dann gibt es noch Frauen und Schuhe. Kennen Sie Sexpuppen?

Vertrauen basiert auf erfüllten Erwartungen. Darum entwickeln wir Vertrauen zu unserem Navigationssystem oder einem Übersetzungsprogramm. Und eine Beziehung basiert vor allem auf Vertrauen. Darauf, dass mich der andere kennt. Gemeinsame Erlebnisse. Nähe. Erreichbarkeit. Lachen. Der Film „her“ ist ein amüsantes Experimentierfeld zur Frage, ob eine Partnerbeziehung zwischen Mensch und Computer (mit Bewusstsein) möglich ist. Mit verblüffendem Ergebnis. Überraschend auch, dass selbst in dieser Welt niemand vor Seitensprüngen gefeit ist: „Eine Frau von uns aus dem Büro hat was mit einem OS [Anm. d. Red.: Operating System] und das Verrückte daran ist, es gehört nicht mal ihr, sie hat sich an das OS von jemand anderem rangemacht!“

Was würde Olaf Schubert dazu sagen, Beziehungsexperte, bekannt aus Funk und Fernsehen? Ich wollte ihn treffen, aber unter 10.000 macht er’s nicht. Also 10.000 Klicks. Soweit ist die Kolumne noch nicht. Aber für ein virtuelles Treffen hat’s gereicht. Was Madison Ashley kann, können wir auch. I proudly present … Olaf Schubert!

Sexpuppen … pffffffft … ich verstehe ja die Kritiker. Da zahlst Du vorweg 2.000 Euro und weißt noch nicht mal, ob der Sex auch gut ist. Aber ich versuche das auch positiv zu sehen. Das kann eine Bereicherung für eine moderne Beziehung sein: Wenn die Freundin mal alleine Urlaub machen will, dann kriegt er dafür eine Puppe. Da hat er mal ein bisschen Abwechslung. Aber natürlich mit Genehmigung! Und nach dem Urlaub, also, so eine Puppe ist ja auch praktisch, wenn die Frau mal keine Lust hat.

Dass die Frau da zum Objekt, zum Sexobjekt … hmmhmmm … das stimmt natürlich, es wäre schon besser, wenn so eine Puppe auch gleich Kochen und Putzen kann. Und gesellschaftlich gesehen … die Sexpuppen sollten auch immer mal Migräne haben, sonst entstehen da unrealistische Ansprüche. Die Männer kommen dann gar nicht mehr zur Arbeit … pffft … später, wenn es mit der Digitalisierung keine Arbeit mehr gibt, da kann man die Migräne ja weglassen.

Alleinsein ist ja sehr ungesellig. Die Beziehung mit einem intelligenten Algorithmus, vielleicht ein, ein … Bewusstsein … Vorsicht, das sollte natürlich nicht zu intelligent sein … aber wer jetzt sonst niemanden anderen findet, oder der Staat sagt dann auch mal, nach 4 Scheidungen ist jetzt Schluss, Du darfst nur noch mit einem Computer, aus Gründen der öffentlichen Sicherheit. Rechtlich ist das ja kein Problem mehr, wir haben ja schon die Ehe für alle.

Wir müssen natürlich gucken, was machen wir dann mit den ganzen Hunde und Katzen, die dann niemand mehr will? Experten warnen ja auch schon vor der Scheinehe, wo Singles eine Partnerbeziehung mit Algorithmen vortäuschen … wegen dem Ehegattensplitting. Das muss man sich dann schon genau anschauen, lieben die sich wirklich, oder ist das nur … nur… virtuell?

Zum Schluss noch in eigener Sache: Es kommt bald das Partnerprogramm „Olaf Schubert“ auf den Markt. Mich gibt’s ja nur einmal … also, alle Frauen kann ich nicht glücklich … darum, wer das jetzt mal ausprobieren will … für 299 Euro … Je nach Vorlieben kann man noch den Modus auswählen, „sportlich“, „elegant“ oder „Das Original“. Die erste Programmversion gibt’s für Singles, die Seitensprung-Version kommt später, da verhandele ich gerade mit Madison Ashley … Klar, Haftung für Schwangerschaften – virtuell oder Scheinschwangerschaft – ist natürlich ausgeschlossen.

Das war Olaf Schubert, meine Damen und Herren! Exklusiv und virtuell für Lieblingskolumne. Danke schön.