Die Erde wurde in 7 Tagen erschaffen. Davon hat der liebe Gott sechs Tage durchgearbeitet, am siebten Tag hat er geruht. Verblüffenderweise gehen Virologen davon aus, dass Viren im gleichen Rhythmus arbeiten – darum dauert die Quarantäne in Zeiten von Corona auch 7 Tage. Das mag auf den schöpferischen Ursprung der Fauna und Flora hindeuten; oder aber der homo faber hat inzwischen der ganzen Welt so restlos den eigenen Stempel aufgedrückt, dass sich alle an die 7-Tage-Woche halten. Das kann jede/r für sich selbst entscheiden.

Wer schon mal in Quarantäne gewesen ist, kann davon ein Lied singen: Man kriegt viereckige Augen von Zoom-Konferenzen, die Netflix-Serien verschwimmen irgendwann zu einem einzigen Erzählungsbrei und die Waage im Badezimmer gibt erste Warntöne von sich. Ich bin gerade in Quarantäne im Basis-Urlaubsressort in Kerala und ich habe Glück. Erstens, hier gibt’s keine Waage im Badezimmer. Zweitens, das ist auch gut so, denn die Verpflegung ist Royal de luxe, wer will da schon Kalorien zählen? Es beginnt morgens mit einem Müsli aus frisch geriebenen Kokosflocken, selbstgemachtem Joghurt (von eigenen Milchkühen), dazu Bananen aus dem eigenen Garten. Mittags und abends einen bunten Teller mit Gemüse von Okra bis Bananenblüten – in allen Farben des Regenbogens.

Zum Hintergrund: Meine Familie (also: meine Frau und zwei Kinder) sind schon eine Weile hier, ich bin nun pünktlich zum Beginn des Lockdowns in Deutschland (17.12.2020) nachgereist. Auflage der Behörden: 7 Tage Quarantäne mit abschließendem PCR-Test. Das Tourismus-Ressort steht – wie so viele Tourismusbetriebe – natürlich leer, und folglich habe ich den gesamten Westflügel des sogenannten „Elefantenhauses“ für mich allein. Und zwar den ersten Stock. Wenn morgens und nachmittags meine Kinder zum Spielen auf dem Rasen vor dem Gebäude vorbeikommen, ist das ein bißchen wie mit den zwei Alten auf dem Balkon in der Muppets-Show. Aber erstens bin ich natürlich noch nicht so alt, und zweitens waren die beiden Alten in der Muppets-Show nicht in Quarantäne.

Ich muss sagen, das war eine ziemlich produktive Quarantäne. Ich habe mehrere Dutzend Emails geschrieben, ein Lastenheft für ein Softwareprojekt verfasst, ein Fachbuch gelesen, drei Blogs für meinen Digitalisierungsblog geschrieben und mit Detective John Corey einen 5-fachen Mord aufgeklärt (meistens nachts im Bett). Ab morgen erlebt mich meine Familie wieder im Vollkontakt – nach dem PCR Test. Mir sind in den letzten 6 Tagen eine Menge Ideen gekommen, was ich alles mit meinen Kindern machen will und was wir als Familie hier noch erleben können. Das könnte anstrengend für die Kidz werden. Vielleicht wünschen sie mich bei der ein oder anderen Aktivität wieder auf den Balkon zurück – aber daraus wird nix. Die Quarantäne ist morgen vorbei. Auf Malayalam (der Landessprache im südindischen Bundesstaat Kerala) heißt das: Quarantäne maddi!