Die digitale Ökonomie heute ist ein bisschen wie ein Monopoly-Spiel, wo man von der Badstraße bis zur Schlossstraße immer an den gleichen Mitspieler zahlen muss: Sie bestellen vormittags eine elektrische Zahnbürste online (Amazon Shop), per Same-Day-Delivery kommt nachmittags das Bestellpaket (Amazon Logistics), Sie lesen eMagazine (Amazon Prime), schauen Serien oder Filme (Amazon Prime), unterhalten sich mit ihrem Sprachassistenten Alexa über das Wetter morgen. In Berlin startete im Juni Amazon fresh und steigt damit hierzulande in den Lebensmittelhandel ein. In den USA tritt Amazon bereits als Verlag auf, vergibt Kleinkredite. Ein gewisser Professor Scott Galloway prognostizierte sogar überschwänglich, wir würden zukünftig alles bei Amazon kaufen.

Naja, Scott, das lässt sich zwar schön zitieren, aber ist doch eher unwahrscheinlich. Trotzdem ist richtig, dass die Konzentration in der digitalen Ökonomie stetig zunimmt. Beispiel Suchmaschinen: Google hat in Deutschland einen Marktanteil über 90%, in anderen Ländern schaut‘s kaum besser aus; zu Facebook gibt’s schon keine echten Alternativen (mehr). Denn in der digitalen Ökonomie gilt vielfach das Winner-takes-all-Prinzip, aus zwei Gründen: Zum einen der Netzwerkeffekt. Mit jedem neuen Nutzerprofil wird beispielsweise Facebook wertvoller, je mehr, desto besser. Aktuelle Nutzerzahl: 2 Milliarden weltweit. Zum anderen das Null-Grenzkosten-Prinzip. Amazon hat in den letzten Jahren massiv in Logistik, Lager und Marketing investiert, es bietet eine attraktive Infrastruktur für Händler und Produkte. Und jedes weitere Produkt verursacht (so gut wie) keine Zusatzkosten.

Aus den genannten Gründen hat die digitale Ökonomie eine Tendenz zu Monopolen. Die Player aus dem Silicon Valley wissen das, es geht also darum, in der Frühphase der digitalen Ära die Nummer 1 zu werden – und zu bleiben. Wir Nutzer erleben gerade diesen Wettbewerb um Platz 1, und profitieren davon, und zwar durch Billig- bis hin zu Kostenlos-Angeboten. Um für Kunden attraktiv zu sein, musste Amazon billig sein, darum schrieb der Online-Händler in den ersten Jahren tiefrote Zahlen. Und selbst heute noch macht Amazon’s Online Handel kaum Profit, es geht also noch immer um den Ausbau der Marktposition. Der Preiskampf der digitalen Giganten ist auch gut erkennbar am Beispiel Uber. Für dieses Unicorn aus Silicon Valley errechnete der Transportexperte Hubert Horan letztes Jahr, dass Uber Fahrten mit bis zu 60 Prozent subventioniere. 15 Milliarden hat das StartUp seit 2009 bereits verbrannt. Der Weg zum Monopol ist teuer.

Wir erleben im Übrigen ganz grundsätzlich eine Konzentration in der globalisierten Wirtschaft, das gilt für die meisten Branchen. Der MIT-Ökonom David Autor beschreibt in seinem Buch “Ökonomie der Superstars” einen Prozess, wonach eine kleine Zahl von Star-Firmen immer mehr Marktanteile erobern und dabei für die Eigentümer besonders hohe Profite erwirtschaften. Gleichzeitig kommen diese Firmen mit weniger Arbeit aus als kleinere Konkurrenten. Dieser Verschiebung führt folglich zu einer Einkommensumverteilung von Arbeitseinkommen zu Kapitaleinkommen, wird also zum Gerechtigkeitsthema.

So beunruhigend der Befund, so schwierig ist eine klare Gegenstrategie. Teil einer Antwort sind sicherlich die Kartellbehörden, die noch in der Vergangenheit Deals wie die Übernahme von WhatsApp oder Instagram durch Facebook durchgewunken haben, nun aber zunehmend den Netzwerkeffekt mit betrachten (vgl. dazu den Artikel auf ZEIT ONLINE: Achtung, Konzentration!). Den Verbraucher können Sie als Kartellwächter gleich ganz vergessen: Es ist nicht zu erwarten, dass er im Bewusstsein der drohende Monopolstellung von Amazon&Co seine Einkäufe strategisch streut. Der Nutzer kauft gern billig und bequem, das heißt immer häufiger bei Amazon.

Stellen wir also regionale Player unter Diversitäts-Schutz? Mit einem Regional-Label? Oder brauchen wir regionale Industriepolitik, um regionale Kultmarken zu schaffen? Eher denkbar ist eine politische Weichenstellung, die regionale Industrie- und Wirtschaftsstrukturen fördert. In Indien beispielsweise wurden mit der Einführung der Goods and Service Tax differenzierte Umsatzsteuersätze je nach Größenordnung von Restaurants bzw. Restaurantketten eingeführt. Größere Restaurantketten führen eine höhere Umsatzsteuer ab. Ja natürlich, da würden Ineffizienzen entstehen, zum Beispiel 5 Lager statt ein Lager. Stimmt, ist aber kurzsichtig. Was würde Ludwig Erhard wohl dazu sagen? Ist es auch ineffizient, wenn 10 Autohersteller Motoren entwickeln statt nur ein einziger Megakonzern?

Ich habe kürzlich meine Mitgliedschaft bei Maxdome verlängert, damit meine Provider für Entertainment nicht eines Tages auf das amerikanische Trio aus Amazon Prime, Netflix und Apple TV zusammenschrumpfen. Das macht Amazon im Übrigen auch. Der Amazon Logistics Chef in Bochum erklärt zur Policy bei der Beauftragung von Transportunternehmen: „Wir wollen jedoch nicht einige wenige Unternehmen groß machen, sondern setzen bewusst auf unterschiedliche lokale Partner.“.