Meine Frau hat heute Geburtstag (Alter: streng geheim). Nun ist sie gerade in Indien, ich in Berlin. Solche globalisierte Beziehungen haben also streckenweise einen sehr platonischen Charakter. Das ist ein bisschen wie Fastenzeit. Dabei wird niemand abstreiten, dass sowas auch seinen Sinn haben kann. Danach schmeckt das Essen zum Beispiel viel intensiver. Kurz: Man muss die Dinge positiv sehen.

Noch vor 40 Jahren war die Kommunikation bei 7.000 Kilometer Distanz äußerst eingeschränkt. Man konnte ein Päckchen inklusive Geburtstagsgeschenk mit zwei Monaten Vorlauf abschicken, musste aber damit rechnen, dass der indische Zollbeamte das herausnimmt, was er selbst gut gebrauchen kann (auch er hat in der Regel eine Frau zuhause, die irgendwann Geburtstag hat). Ein R-Gespräch musste man etwa eine Woche im Voraus anmelden, ein Vermögen bezahlen und während des Telefonats fragte die Telefonistin alle 5 Minuten, ob Sie das Gespräch fortsetzen möchten.

Heute telefonieren Sie kostenlos auf Skype, singen ein Ständchen, teilen Fotos von der Geburtstagstorte per WhatsApp und können per Amazon vom Modeschuh bis zur Waschmaschine alles punktgenau mit roter Geschenkschleife beim Partner anliefern lassen. Da gibt es keine Ausreden mehr. Spätestens jetzt sollte ich aber fairerweise anmerken, dass Theresa (meine Frau) Materialschlachten an Geburtstagen oder Weihnachten gar nicht erwartet. Das ist sehr entspannend für mich. Wirklich.

Theresa ist nämlich vor allem eines wichtig: Geselligkeit. Sie mag Menschen und nimmt sie, wie es eben kommt. Am glücklichsten ist sie mittendrin, Singen, Brettspiele, Karaoke. Zusammen kochen, Pralinen machen, essen gehen. Für Freunde und Familie immer erreichbar, in allen Situationen, auch bei Ehekrisen und ähnlichem Kalamitäten im Bekanntenkreis stürzt sie sich head-on in die Gespräche, fühlt mit, tröstet und nimmt unscheu jeden in die Arme. Toll, wie sie das kann.

Sie kann auch Männersachen wie Motorradfahren. Wir haben zusammen gelernt. Bei den ersten Ausflügen ist Theresa mal 2 Stunden gefahren, mal ich 2 Stunden, der jeweils andere auf dem ziemlich unbequemen Soziussitz. Als wir mit Mehrtagestouren angefangen haben – heißt: mit Gepäck – haben wir ein zweites Motorrad dazu gemietet. Theresa auf einer Harley, Iron 883, 300 kg. Hatte sie im Griff. Irgendwie war das für sie auch Teil ihres emanzipatorischen Modernisierungsprogramms für die patriarchalische Gesellschaft Indiens. Denn es gibt wahrlich nicht viele Frauen, die in Indien Motorrad fahren – zumindest nicht im Fahrersitz.

Emanzipation ist auch gutes Thema, um ihr südländisches Temperament kennenzulernen. Streiten wird unter diesen Voraussetzungen zum echten Event. Man spürt: Da ist Energie. Und das muss auch ab und zu mal sein, wie soll sonst eine Beziehung funktionieren? Es gibt ein reinigendes Gewitter, dann ist die Luft wieder klar. Dafür kein Trotzen, keine Zickereien, keine Intrigen. Natürlich, sie ist keine Heilige, da gibt es auch Schwächen. Aber sie hat heute Geburtstag, das gehört jetzt nicht hierher.

Das Beste ist: Sie kommt mit mir gut zurecht. Ich gebe mir Mühe, nicht ganz einfach zu sein; Theresa meistert das vorbildlich. Und schön ist sie auch noch. Eine Frau zum Verlieben also. Und so ist es ja dann auch passiert.

Happy Birthday, Theresa! Und hier noch ein Zitat aus unser beider deutscher Lieblingsserie, Der letzte Bulle mit Henning Baum aka Mick Brisgau: „Du bist die eine.“