Der Ami Steven Petrosino ist der schnellste Biertrinker der Welt: Gerade mal 1,3 Sekunden braucht er für eine Maß Bier. Hochgerechnet auf die Stunde (ja, das ist nur theoretisch!) wären das 2.769 Liter Bier. Bei aktuellen Oktoberfest-Preisen für eine Maß Bier (10,22 Euro) macht das 28.301 Euro (!) Konsumleistung pro Stunde. Beeindruckend. Nehmen wir einmal zum Vergleich einen Literaturliebhaber aus dem Land der Dichter und Denker. Nennen wir ihn Hans. Er kauft sich den „Zauberberg“ von Thomas Mann als Paperback für 12,95. Das Buch hat 1008 Seiten, das ist Hochliteratur vom Feinsten und liest sich etwa so flüssig wie der Pschyrembel, ein klinisches Wörterbuch. Sagen wir mal, Hans schafft 10 Seiten pro Stunde, macht also 100 Stunden. Die Konsumleistung pro Stunde läge dann bei gerade mal 13 Cent. Im Best Case trinkt Hans dazu ein paar Flaschen Bordeaux, im Worst Case kommt das Buch vom Flohmarkt für 3 Euro.

Das letzte Beispiel illustriert sehr schön, wo heute die Herausforderung für viele Volkswirtschaften liegt: Die Konsumenten sind einfach zu langsam! Das ließe sich an Dutzenden weiteren Beispielen illustrieren: Die Gesamtausgabe von Mozart (ab 39,90) umfasst über 180 Stunden Musik, und Netflix (Monats-Abo ab 7,99) bietet Zugang zu Tausenden von Filmen. Wir können nicht annährend so schnell konsumieren, wie wir einkaufen könnten. Das ist ein echtes Problem, das verschafft unserem Bundeswirtschaftsminister schlaflose Nächte. Und der Trend zu Doppelverdiener-Haushalten verschlimmert das nur noch: Mehr Geld, weniger Zeit. Früher war das anders: Da brachte der Mann das Geld nach Hause, die Frau hatte eine Menge Zeit fürs Ausgeben. Ja, natürlich gibt es auch positive Entwicklungen, zum Beispiel zeiteffizientes Online-Shopping. Oder die Kundenbewertungen bei Amazon: Da muss man beim Shoppen nicht mehr lange Überlegen. Aber das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn man das Problem im Grundsatz lösen möchte, dann habe ich für unseren Bundeswirtschaftsminister hier drei Lösungsansätze.

Erstens, das „Queen Elizabeth Verbrauchsmuster“. Denn von der Queen können wir einiges lernen: Sie zieht nämlich jedes Kleidungsstück nur ein einziges Mal an. Dann wird ein Neues gekauft (das lässt sie natürlich machen und schafft damit auch noch Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor). Volkswirtschaftlich gesehen ist das vorbildlich. Man kennt das Prinzip in einer anderen Variation ja bereits aus der 68er Revolution: „Wer zweimal mit der Gleichen pennt, gehört schon zum Establishment“. Und jetzt als Handlungsempfehlung für verantwortungsbewusste Konsumenten: Taktzahl bei der Wiederbeschaffung erhöhen. Kleider nach dem ersten Tragen bei Oxfam-Shops abgeben, Autos maximal für zwei Jahre leasen und immer die neuesten Modelle bei Mobiltelefonen, Waschmaschinen, Fernsehern.

Zweitens, wir sollten einen Urtrieb in uns zur vollen Entfaltung kommen lassen, nämlich den Jäger- und Sammler Instinkt. Das kann zum einen bedeuten, als Liebhaber eine Sammlung aufzubauen: Briefmarken, Münzen, Kunstgemälde, Vasen, Autos und so weiter. Hier geht es um die Freude am Besitz an sich. Anders formuliert: Es ist besser, wenn das Zeug bei uns zu Hause rumsteht, als im Laden. Zum anderen können wir mit Besitz Optionen schaffen: Wissen Sie denn, wonach Ihnen morgen ist: Mozart oder Beethoven? Händel oder Chopin? Ich weiß es nicht. Aber mit der Gesamtausgabe von Mozart, Beethoven, Händel und Chopin zu Hause sind Sie vorbereitet.

Drittens, es spricht Vieles dafür, den Akt des Einkaufens vom eigentlichen Bedarf zu entkoppeln. Shopping als Selbstzweck, eine Freizeitbeschäftigung wie Musikhören oder Lesen. Wer gerne liest, fragt sich: Worauf habe ich Lust? Und nicht: Was muss ich lesen? Wir sollten beim Shopping auch aufhören zu fragen: Was brauche ich? Sondern fragen: Was gefällt mir hier im Laden? Das ist das Schöne in einer Überflussgesellschaft: Wir müssen uns nicht mehr ausschließlich am Bedarf orientieren, es darf gerne auch ein bißchen mehr sein.

Ich möchte abschließend noch darauf hinweisen, dass wir beim Shopping nachhaltig bleiben müssen. Denn die Ressourcen sind endlich. Sie wissen das. Also bitte: Achten Sie darum unbedingt auf den Grünen Punkt beim Einkaufen!