Wenn James Bond scheitert, dann ist er tot. Schlimmer noch: Der Bösewicht übernimmt die Weltherrschaft. Für den Ottonormalverbraucher hat Scheitern selten derart dramatische Folgen, aber lustig ist es eigentlich nie. Schon gar nicht in unserer modernen Leistungsgesellschaft, wo wir glauben: Jeder kann es kraft seiner eigenen Anstrengung zu etwas bringen – und wer das nicht schafft, ist selbst schuld.

Nun kann man ja auf verschiedene Arten scheitern. Wer zum Beispiel Neuland betritt und etwas wagt, macht eben Fehler, scheitert, lernt, steht wieder auf. Nochmal von vorn. “Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” So funktioniert Fortschritt. Demgegenüber ist Scheitern in einer Wettbewerbssituation wiederum eine logische Notwendigkeit: Wenn 100 Kandidaten US-Präsident werden wollen, dann scheitern 99 davon –  zählen Sie ruhig nach. Es gibt keine Welt ohne Scheitern (Wer wiederum nicht wagt, der furzt stattdessen zu Hause in seinen Fernsehsessel – wahlweise bei Dieter Bohlen oder Heidi Klum). Die eigentliche Frage ist also: Wie steht man nach dem Scheitern wieder auf? Was machen mit der Kränkung und der Niedergeschlagenheit, mit dem zerrütteten Selbstbild?

Hierauf gibt es erstaunliche Antworten von einem Buddhisten, den ich kenne. Mein Freund, so hörte ich ihn sagen, deine Wünsche und Ziele sind grenzenlos. Aber deine Kontrolle über die Welt ist begrenzt und temporär. Ist es darum nicht unklug, Erfüllung mit einem äußeren Umstand gleichzusetzen, der außerhalb deiner Kontrolle liegt? – Hmmm, ja, keine gute Idee. – Wo Du keine Kontrolle hast, akzeptiere was ist. Und akzeptiere die Vergänglichkeit aller Dinge. – Ok, verstanden. – [Wohlwollendes Grinsen] Du musst das üben. Jeden Tag. – Nein, nein, kein Problem. Ich hab’s schon verstanden. – [Belustigtes Grinsen] Dann wärest Du Buddha. – Na, das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber ich hab’s verstanden. – [Strenges Grinsen] Wenn Du das nächste Mal wütend oder traurig bist, weißt Du, dass Du es nicht verstanden hast.

Der Buddhist ließ nicht gelten, dass ich als Unternehmer keine Zeit zum Üben hätte. Ich solle meditieren. Mein Freund, so hörte ich ihn sagen, Dein Geist bewertet ununterbrochen. Meditation dagegen heißt, Deine Gedanken und die Welt zu beobachten ohne zu bewerten. Einfach akzeptieren. – Da kann ich Dir jetzt schon sagen, das wird schwierig. Ich bin Perfektionist. – Dann musst Du eben mehr üben als andere. – [Ich fand, das hätte man auch aufmunternder sagen können] – Beobachte Deine Gedanken. Akzeptiere sie wie sie sind, und versuche zu beobachten, wo sie herkommen. Wohin sie verschwinden. Wieviel Kontrolle hast Du über sie? – Die letzte Frage kann ich gleich beantworten. Da herrscht bei mir die blanke Anarchie, da ist 365/24 ‚Tag der offenen Tür‘ in meinem Schädel. – [Verständnisvolles Grinsen] Willkommen im Club.

Ich habe jetzt mit dem Meditieren angefangen. Ein Wahnsinn! Wer träumt nicht vom süßen Nichtstun, in dem Fall: vom Nichtsdenken. Aber es geht einfach nicht! Dauernd quatscht jemand rein! Aber Übung macht den Meister, Buddha hat es schließlich auch geschafft. Es ist also menschenmöglich! Einfach Dranbleiben …